Archiv der Kategorie 'Drehberichte'

02
Dez
07

Fünf Tage in St.Petersburg

Zum zweiten Mal ging es für mich in diesem Jahr in die ehemalige Sovietunion. Nach Kasachstan stand diesemal Russland auf dem Programm. Das beste daran, die Geschichte dahinter ist noch unwirklicher als der deutsche Dirigent in Almaty.

Am Mittwoch brachte uns der Flieger in die ehemalige russische Hauptstadt. Was Zar Peter der Große hier errichtet hat ist definitiv eine Reise wert. Sicher, auch in St.Petersburg gibt es Ecken die nicht wirklich schön und gepflegt sind, aber in der Stadt tut sich etwas und immer mehr Bereiche werden saniert. Die Gebäude der sehr großen Altstadt, inklusive Eremitage, sind wundervoll anzusehen.

Wir sollten hier jedoch keinen Tourismus-Film drehen sonder eine Linsenübergabe.

Ich weiß, es hört sich merkwürdig an, aber die Geschichte ist so interessant, dass es sich lohnt weiter zu lesen.

Alles beginnt vor über 20 Jahren auf der schwäbischen Alb, eigentlich sogar schon früher.

Ein Bauer in Württemberg entschließt sich auf alte Pfade zurückzukehren. Er wandelt seinen Betrieb in einen Bio-Hof um und säht alte Pflanzen. Linsen. Auf der schwäbischen Alb sind schon früher Linsen angebaut worden, aufgrund geringerer Nachfrage und großer Konkurrenz, z.B. aus Kanada, geriet die Linse in Vergessenheit. Der Bauer aus Schwaben konnte die alten Linsen, die hervorragend für den kargen, trockenen Boden der Alb geeignet waren gab es nicht mehr. Nach langer Suche entschied man sich dann für italienische und französische Linsensaat. Immer wieder versuchte der Bauer die Alblinse 1 und 2 (so der Name der alten Linsen) zu finden.

Viele Jahre später, wurde ein Bekannter des Bauern fündig.

Aus dem einen Biobauern der erfolgreich Linsen anbaut, ist inzwischen eine Erzeugergemeinschaft von Bio-Bauern geworden. Und diese erfuhren nun das Unglaubliche.

Es gibt in St.Petersburg ein naturwissenschaftliches Institut, welches seit über 100 Jahren Saatgut von Kultur- und Wildpflanzen aus aller Welt sammelt und archiviert. aber nicht nur das, je nach Pflanze, müssen diese Samen alle paar Jahre regeneriert werden. Die Samen müssen angebaut werden, unter abgeschirmten Bedingungen aufgezogen werden, und neue Samen geerntet werden. Nur so können die Pflanzen über Jahrzehnte erhalten werden.

Das Vavilov – Institut , benannt nach Nikolai I. Vavilov (1887 – 1943) gilt als größtes Institut dieser Art weltweit. In weltweiten Expeditionen suchten Vavilov und seine Frau, sowie deren Nachfolger Kulturpflanzen und deren wildwachsende Verwandte und archivierten sie. Im Herbarium werden getrocknete Blätter Pflanzen und Früchte aufbewahrt und in der weltweit größten Genbank werden die Samen bewahrt. Viele längst als ausgestorben geltende Arten werden hier gehütet. Unter ihnen auch die Alblinsen.

In dieser Woche machten sich nun die Bauern der Bio Erzeugerngemeinschaft und einige Vertreter der Organisation Slowfood auf, um 100 Samen derAlblinse wieder nach Hause zu bringen. In Anwesenheit des deutschen Generalkonsuls, deutschen und russischen Medien und der gesamten Führungsriege des Instituts wurde das Saatgut feierlich übergeben. Die Augen der Bauern leuchteteten genauso, wie die der Mitglieder des Vavilov Institutes. Nie war ihnen bisher soviel Interesse der Öffentlichkeit gegönnt.

Unser kleines Team begleitete die deutsche Delegation zur Stadtrundfahrt und zum Rundgang im Institut. Wir drehten in Minus 18 Grad kalten Kühlhäusern und im Herbarium des Institutes. Sowohl bei der offiziellen Übergabe der Alblinsen als auch den privaten Geprächen der Bauern und der Institutsmitarbeiter waren wir mit der Kamera dabei. Auch zum festlichen Empfang des Generalkonsuls waren wir eingeladen (da dieser Empfang in der Dienstwohnung stattfand jedoch als Gäste und nicht als Kamerateam). Es ergaben sich Freundschaften und interessante Geschichten zwischen Schwaben und Russland. Wir werden diese weiter verfolgen und daran teilnehmen.

Ich freue mich, viele tolle und spannende Menschen kennengelernt zu haben und hoffe bald noch mehr davon berichten zu können. Die Alblinsen und viele andere Pflanzen können im Vavilov Institut wiedergefunden werden, vielleicht auch Tomaten mit Geschmack.

Ein Mitglied der Delegation Klaus Amler von Ökonsult wird im Regionalprogramm vom SWR am Montag den 03.12.2007 im Studio über die Reise berichten. Unsere Bilder sind als Material dabei.

23
Nov
07

Auf dem Weg zu Mövenpick in Potsdam

Gestern stand wieder einmal ein Drehtermin an. Für ein Imagefilmprojekt der InMedia Film und Fernsehproduktion mussten noch einige fehlende Bilder bei Mövenpick in Potsdam nachgedreht werden. Wenn Sie etwas mehr über den Dreh und die Bedingungen vor Ort erfahren wollen, dann kann ich hier auf den Blog meines Kollegen verweisen. In meinem heutigen Bericht geht es um die Anfahrt zum Drehort.

Im Autoradio liefen schon den ganzen Tag Meldungen, dass die Nuthestraße und einige andere Straßen aufgrund einer Bombenentschärfung gesperrt sind. Kurzerhand beschlossen wir (unser Drehteam aufgeteilt auf 2 Wagen) Potsdam von Spandau aus an zu fahren. Auf der Bundesstraße in Höhe des Ortes Krampnitz fuhren wir langsam in einer Kollone hinter einem großen Trecker . Auf den Trecker folgte ein Pkw, ein Krankentransporter, mein Wagen, der zweite Wagen unseres Teams, und noch einige andere Fahrzeuge, einschließlich eines kleinen VW Fox eines Sicherheitsunternehmens. Kurz vor einer Rechtskurve schert der Krankentransporter vor uns aus und setzt zum Überholen an. Als er ungefähr mit der halben Fahrzeugbreite auf der Gegenspur ist, schwenkt er hastig wieder auf unsere Spur ein. Aufgrund der Rechtskurve hatte er erst zu spät ein entgegenkommendes Fahrzeug bemerkt. Um eine Kollision zu vermeiden, musste der entgegenkommende Geländewagen auf den nicht befestigten Seitenstreifen ausweichen. Durch den recht matschigen Untergrund geriet der Geländewagen ins Schleudern . Der Fox der Sicherheitsfirma, der einige Fahrzeuge hinter uns fuhr, geriet dadurch in die „Einflugschneise“ des schleudernden Geländewagen. Der Fahrer des Pkw steuerte seinen Fox auf unseren unbefestigten Randstreifen und kam dort zum Stehen. Der Fahrer des SUV steuerte seinerseits, um einen Aufprall auf den Kleinwagen zu verhindern, vehement nach recht. Über ein Böschung hinweg schleuderte er in den Wald und kam an einem Baum zum Stehen. Unsere beiden Teamfahrzeuge hielten an. Nach einer kurzen Absprache drehten Florian und ich mit unserem Wagen um, Jana, Tobias und Marcus setzten den Weg Richtung Potsdam fort und konnten uns kurze Zeit später das Kennzeichen des Krankentransporters, der weiter gefahren war, per Handy durchgeben. Auch ein anderer Fahrzeugführer hatte den Krankentransporter verfolgt und dem Fahrer mitgeteilt, dass er einen Unfall verursacht hat.

Erst einmal das Gute, dem Fahrer des Geländewagens ist nichts passiert. Auch alle Anderen sind ohne Blessuren davon gekommen. Das hätte aber auch ganz anders aussehen können. Hätte das schleudernde SUV den Fox erwischt, hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit mindesten zwei Schwerverletzte gegeben.

Was mich allerdings viel schwerwiegender betrifft, ist das Verhalten des Krankentransporters. Sowohl Fahrer als auch Beifahrer des Transporters trugen Warnjacken mit dem Aufdruck Rettungssanitäter. Den Unfall nicht zu bemerken, ist für einen fahrtüchtigen Kraftfahrer, aus meiner Sicht unmöglich. Nicht umsonst haben diesen Unfall ja anscheinend fast alle Anderen in der Kolonne bemerkt. Das Quietschen und der Einschlag in dem Baum waren auch nicht zu überhören. Wie man dann weiterfahren kann ist mir unerklärlich. Hätten nicht wenigstens ein paar Leute angehalten und gemäß ihrer Pflichten gehandelt, würde es rechtlich für den Geländewagenfahrer wahrscheinlich bitter aussehen. Schließlich waren in dem Krankentransporter zwei Personen. Außerdem hätte er kein Kennzeichen gehabt. Er würde wahrscheinlich auf seinem Schaden sitzenbleiben.

Bitte tut mir alle einen Gefallen, wenn Ihr einen Unfall bemerkt oder einen Menschen in Not seht, haltet an und helft. Irgendwann könntet Ihr es sein die Hilfe braucht.

08
Nov
07

Almaty (Alma-Ata) Kasachstan

Ende September 2007 erhielt ich kurzfristig die Anfrage zu einem Dreh für die Firma InMedia Film- und Fernsehproduktion GmbH in Berlin

Hier ein kurzer Bericht über die Reise:

Bereits am 25, September ging unsere Drehreise nach Almaty (ehemals Alma-Ata) in Kasachsten. Zwei Drehprojekte standen auf der Disposition.

Zum Einen sollte ein Imagefilm für die Firma BLN-Group erstellt werden, zum Anderen ging es um einen Dokumentarbeitrag für das deutsche Fernsehen in Kasachstan sowie das staatliche kasachische Fernsehen und den Sender TVB in Berlin

Entstehung der Projekte:

Die Firma BLN-Group vertreibt Fuchs Baumaschinen in den ehemaligen Sowietrepubliken. Daraus ergeben sich auch enge Kontakte zu den jeweiligen Regierungsvertretern. Aus diesen Kontakten entstand ein Sponsoring des deutschen Orchesterleiters am staatlichen kasachischen Musik-Konservatorium in Almaty. Im Imagefilm sollte also sowohl die Arbeit des gesponsorten Dirigenten mit seinem jungen Orchester gezeigt werden, als auch eben dieser Orchesterleiter im Zusammenhang mit den Fuchs Baumaschinen. Im Rahmen der Dreharbeiten vor Ort wurden wir vom staatlichen Fernsehen und dem deutschen Fernsehen Kasachstan angesprochen, ob sie von uns Beiträge zur Ausstrahlung erhalten können.

Mit zwei Kameras, einer Sony Digi-Beta und einer Panasonic DVX-100, Licht, Monitor,Ton-Equipment und jeder Menge anderer Dinge, absolvierten wir die umfangreichen Zollformalitäten und bestiegen die Maschine der Air Astana.

Nach gut acht Stunden Flug, vorher waren wir noch mit dem Wagen von Berlin nach Frankfurt gefahren, begannen direkt nach der Landung die Dreharbeiten im Konservatorium.

Als zweiter Kameramann und Setfotograf oblagen mir die Pflichten der Drehdokumentation und der Erstellung von Pressebildern.

Gut drei Stunden dauerte die Probe, welche von uns aufgenommen wurde. Die während dieser und der nächsten Proben aufgenommenen Bilder waren nur für den Imagefilm geeignet, da die Musiker in Werbeshirts der BLN Service gekleidet waren.

Nach insgesamt 40 Stunden auf den Beinen, besprachen wir anschließend nur noch den groben Ablauf des nächsten Tages und fielen dann in unsere Hotelbetten.

In den nächsten beiden Tagen standen Außendrehs auf der Tagesordnung. Dabei ging es aus der smogverhüllten Innenstadt Almatys in die umliegenden Berge ( westliche Ausläufer des Himalaya). Die obligatorischen Aufnahmen mit den einheimischen Regierungsvertretern (Kultusminister, Konservatoriumsdirektorin, Kultur Attache, Wirtschaftsberater, etc) wurden vor den beeindruckenden Hintergründen des Nationalparks erledigt. Kurzinterviews mit den einzelnen Personen mussten ebenfalls aufgenommen werden, wenn möglich einmal auf russisch und einmal auf deutsch.

An Tag vier bereisten wir mit unserem Equipment einen gigantischen Schrottplatz mit angeschlossenen Hochöfen. Hier sollte unser junger Dirigent in den Genuss kommen eine Fuchsbaumaschine zu fahren und Schrott zu verladen ( auf diesem Schrottplatz werden unter Anderem Flugzeuge und Panzer geschreddert und eingeschmolzen um daraus wieder Rohstahl zu gewinnen).

Die extremen Lichtverhältnisse machten den Dreh nicht einfacher. Der Drehort befand sich unter einem großen Dach, welches von einzelnen Säulen getragen wurde, also ohne Wände, während unter dem Dach eine relativ offene Blende nötig war, sorgte der strahlende Sonnenschein außerhalb für einen grellweißen Hintergrund. Während über uns ständig Kräne mit Elektromagneten Schrott (ca. 8t pro Ladung) bewegten, mussten wir Bilder machen, ein Auge immer auf fliegende Metallteile gerichtet.

Im Gegensatz zu unserem Team war der Protagonist jedoch bester Laune, anscheinend ein Jugendtraum mit einem großen Bagger Schrott in einen Riesenschredder zu verladen.

Im Anschluss daran wurden wieder einige Vox-Pops mit dem Orchesterleiter, Frau Brodersen (von BLN Service) und dem Schrottplatzbesitzer aufgenommen.

Tag fünf brachte uns auf einen der großen Basare von Almaty. Herr Onken (Dirigent) und Frau Brodersen sollten beim Einkauf beobachtet werden. Zu erwähnen sei hier nur noch, das wir mit der großen Digibeta drehten und diese Basare Privatgelände sind, nein, wir hatten für das Gelände keine Drehgenehmigung und die Kamera ist auch kaum auffällig. In vier Stunden Katz- und Mausspiel mit den privaten Wachleuten gelangen uns immerhin zwölf Minuten Aufnahmen.

Am sechsten Tag waren wir Gast des erfolgreichsten Komponisten und Musikproduzenten der Region. Interview und Aufnahmen im Musikstudio von Renat Gaissin standen auf dem Programm. Anschließend war noch eine Pressekonferenz im Kasachstan Press-Club angesetzt.

Am letzten Drehtag fand das Konzert des Studentenorchesters vor rund 350 Gästen statt. Ich war mit der DVX für die Schnittbilder und Close-Ups zuständig, während mit der Digibeta das Konzert in Gänze aufgezeichnet wurde. Auch der anschließende Empfang mit Interviews der Musiker und der Gäste wurde aufgenommen. Noch in der Nacht wurde das Material beim staatlichen kasachischen Fernsehen kopiert und uns wieder ins Hotel gebracht.

Nach zwei Stunden Schlaf machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Flughafen

Team:

Marcus Schwitalla (1. Kamera),  Michael Kleppek (2.Kamera Setfotograf),Florian Marx (Kameraassistenz)