In dieser Woche stand meine Arbeit ganz im Zeichen der Kakerlake. Ja, richtig gelesen, anders ausgedrückt, es handelt sich um die südamerikanische Totenkopfschabe.

Nikolai Makarov ein in Moskau geborener Maler lebt seit langem in Berlin und New York. Seine Werke sind in Museen in Russland, Europa und den USA zu finden. In Berlin ist er Vorsitzender mehrerer Kunstvereine und Kunststiftungen und in New York Mitglied des Rates des Institutes für Philosophie und
Psychologie der Kunst.
Neben all diesen Aktivitäten ist er ein Mann der es versteht zu begeistern, und so sind seine alljährlichen Feiern zum russischen Neujahr in Berlin immer wieder ein Highlight. Im Rahmenprogramm dieses Events findet neben Musik, Tanz und Gesprächen, in diesem Jahr wird es zusätzlich einen Wodkabrunnen geben, auch eine Rennveranstaltung der besonderen Art.
Die kleinen, sonst so ungeliebten Vertreter der wohl erfolgreichsten Lebensform auf unserer Erde, treten im Rennen gegeneinander an. Kakerlaken.
Um auf diesen Event aufmerksam zu machen erstellen wir mit Archivaufnahmen aus dem letzten Jahr und neuem Material aus dieser Woche einen kurzen Magazinbeitrag.
Wir treffen Nikolai in seinem Atelier / Wohnung im Wedding. In den Räumlichkeiten fällt es nicht schwer Bilder zu finden. Nicht nur Bilder im Sinne des Malers, sondern auch im filmischen Sinn. Jeder Raum hat einen eigenen Stil. Es beginnt in der Bar. In einer Ecke des roten Raumes steht noch der Weihnachtsbaum. Neben dem Tresen steht eine Badewanne mitten im Raum, diese fungiert als Aquarium für rund ein Dutzend Goldfische.
Das Wohn- Schlafzimmer ist spartanisch eingerichtet, die Wände sind mit zwei großen Bild geschmückt eine weitere Wand mit ca. 20 kleinen Porträts. Alle in Airbrushtechnik entstanden und in erdigen Farben gehalten, hängen hier Wim Wenders, Alfred Biolek und Frau Birthler gemeinsam mit vollkommen unbekannten Personen an der Wand. Auch wenn die einzelnen Portraits schon beeindruckend sind, so ergibt sich aus der Zusammenstellung ein großes Gemälde.
Diese Wand wähle ich als Hintergrund für die O-Töne mit Nikolai aus. Die Unschärfe im Hintergrund verstärkt den Eindruck des Gesamtbildes noch. Nikolai fesselt einen mit seinen Antworten, er versprüht eine unglaubliche Lebendigkeit. Einzig seine Augen scheinen nicht in dieses Bild zu passen. Nicht dass sie nicht lebendig wirkten. Erst als ich das Material im Schnitt eingespielt hatte konnte ich feststellen woher dieser Eindruck kommt. Nikolai blinzelt nicht.
Nach den O-Tönen brauchten wir noch Bilder der Renntiere. Beim öffnen des Terrariums konnte ich feststellen, weshalb diese Tiere so ungeliebt sind. Kakerlaken stinken. Nach einigen Bildern aus dem Gewusel der rund 120 Tiere brauchten wir noch Rennbilder. In einem kleinen Nebenraum der Wohnraums steht die Rennstrecke. Acht Bahnen von zwei Metern Länge sind hier aufgebaut, abgetrennt sind sie untereinander durch Plexiglas. Die mittleren drei Bahnen haben wir mit Kakerlaken besetzt und ließen sie mehrfach rennen um unterschiedliche Einstellungen zu drehen. Vom Rennen des letzten Jahres gab es leider nur brauchbare Bilder der feiernden Menschen, so dass wir das Rennen auf diese Art nachstellen mussten.
Zum Abschluss des Drehs nahmen wir noch Nikolais Neujahrsgrüße auf, natürlich wurde nicht mit Sekt sondern mit Wodka angestoßen. Allerdings blieb das Glas ganz und wurde nicht an die Wand geworfen.
Wir drehten noch einige Schnittbilder im Atelier und außerhalb des Hauses.
Zurück in der Firma ging es darum einen 3´30´´ Beitrag für das Web und einen sechs Minuten Magazin Beitrag zu erstellen. Die tollen Bilder sprachen wirklich für sich, so hatten wir diesmal eher das Problem zu entscheiden welche wir rauslassen anstatt zu entscheiden welche wir hineinnehmen.
Bereits am nächsten Mittag waren beide Beiträge fertig. So kann es weiter gehen.
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