In dieser Woche erwartete uns ein wirklich wundervolles Projekt.
Die Henkell Söhnlein Sektkellereien Wiesbaden veranstalten seit 25 Jahren eine jährliche Konzertreihe. Hier werden gezielt junge Musiker gefördert. Kein Musiker darf zweimal auftreten. Die Konzertreihe findet jedes Jahr im Winterhalbjahr statt, und wird im wundervollen Marmorsaal des Haupthauses auf Henkellsfeld abgehalten. 400 Zuschauer finden hier Platz und jedes Konzert ist restlos ausverkauft.
An diesem Wochenende fand das Jubiläumskonzert statt. Der HR zeichnete das Konzert für HR2 (ehemals HR Classic) auf. Wir nutzten diese Chance und schnitten die Summe digital mit. Der Auftag sah vor, dass wir ein ca. sechs bis acht Minuten Beitrag mit dem Schwerpunkt Konzert produzieren, der dann von Henkell als DVD an die Konzertabonennten, Mitarbeiter und Kunden verteilt wird. Als Dankeschön und Werbung.
Bevor ich jedoch auf den Drehtag zu sprechen komme muss ich erst noch chronologisch auf unser Hotel zu sprechen kommen. Dies ist als Warnung gemeint.
Aufgrund der Tatsache, dass wir am Freitag bereits ab 11:00 Uhr mit den Dreharbeiten beginnen, mussten wir am Donnerstag Abend anreisen. Ursprünglich hatten wir im Hotel „Fürstenhof“ nur für eine Nacht reserviert, da eigentlich ein Dreh in der Nähe von Wiesbaden am Tag zuvor geplant war. Nach Absage dieses Termins mussten wir eine zweite Übernachtung nachbuchen. Bereits telefonisch wurden wir davon in Kenntnis gesetzt, dass wir in dieser ersten Nacht mit einfacheren Zimmern zufrieden sein müssten. Nun gut, für nur 40,-€ pro Nacht und Zimmer sollten wir diese Nacht wohl auch überleben. Nach der Ankunft im Hotel waren wir uns da nicht mehr ganz so sicher. Drei unserer Zimmer befanden sich auf einer Etage, das vierte Zimmer lag eine Etage tiefer. Wenn jetzt jemand das Bild der alten Edgar Wallace Filme vor seinem geistigen Auge abrufen kann, hat eine ungefähre Vorstellung. Die Zimmer hatten keine Dusche auf dem Zimmer, sondern boten nur eine Dusche für mehrere Zimmer auf dem Flur. Zumindest die auf unserer Etage. Ann Kathrin, die eigentlich in der Etage unter uns untergebracht war hätte ebenfalls unsere Dusche, also eine Etage höher, benutzen müssen. Na klar, man läuft ja auch gerne frisch geduscht durch das halbe Hotel.. Mal ganz davon abgesehen, dass eigentlich niemand ohne Taucheranzug und Gummischuhe die Nasszelle betreten wollte. Ann Kathrin bezog also mit Jenny zusammen ein Zimmer auf unserer Etage und wir gaben das vierte Zimmer zurück.
Am nächsten Tag sollten wir in die Komfortzimmer für 100,-€ pro Nacht umziehen. Da jedoch die Gäste bis 11:30 Uhr Zeit haben auszuchecken, wir jedoch bereits um 11:00 Uhr beim Kunden sein müssen bot uns das Hotel an unser Gepäck auf die neuen Zimmer zu bringen.
Wir machten uns beruhigt auf zum Henkellsfeld.
Ein wenig schockiert schienen die Verantwortlichen von Henkell als wir im Hause auftauchten. Hatte man doch dort anscheinend mit Menschen im Alter des restlichen Konzertpublikums gerechnet. Zwar hob ich selbst den Alterschnitt unseres Teams ungemein, jedoch waren die drei anderen Teammitglieder mit einem Alter zwischen 22 und 25 weit unterhalb des Publikumsschnitts, der bei geschätzten 65 Jahren lag. Trotzdem schafften wir es die Bedenken auszuräumen.
Zuerst nutzten wir mit beiden Kameras das herrliche Wetter aus um genügend Schnittbilder von außen zu drehen. Auch der Marmorsaal selbst strahlte durch ein riesiges Glasdach in einem wundervollen Glanz. Gold und Sonnenlicht harmonieren halt ungemein.
Ab 13:00 Uhr standen unsere drei Interviewpartner bereit. Zum Einen war dies der Sprecher der Geschäftsführung, sowie die Konzertagentin zum Anderen der Dirigent des heutigen Konzertes. Aus Anlass des Jubiläums wurde die Regel zum einmaligen Auftritt außer acht gelassen. Sowohl der Dirigent Gudni A. Amilsson, als auch die Solisten Wolfgang Emanuel Schmidt (Violoncello) und die Brüder Catona ( Gitarre) waren bereits Gäste im Marmorsaal.
Nach einem sehr guten Essen in der Henkell Betriebskantine machten wir noch einige Detailaufnahmen der Kunstwerke im Saal. Das Konzert begann mit einer Ansprache zum Jubiläum gegen 19:30 die Musik setzte dann gegen 20:00 Uhr ein. Wir waren mit zwei Kameras vor Ort und nahmen das gesamte Konzert auf. In der Pause gab es einen Sektempfang, den wir zum Drehen von Schnittbildern und zu einer Raucherpause nutzten.
Gegen 22:00 Uhr war das Konzert beendet. Es folgte ein Empfang mit Häppchen und Sekt, den wir nach Absprache mit dem Kunden jedoch nicht aufnehmen sollten. Wir bauten also unser Equipment ab und genehmigten uns einige der Häppchen.
Ungefähr um 23:30 machten wir uns auf den Weg ins Hotel.
Jetzt wird es spannend.
Im Hotel angekommen, erhielten wir unsere Zimmerschlüssel. Ein Blick auf die Zimmernummern zeigten uns, dass es sich wieder um Zimmer im sogenannten Gartenhaus handelte. Florian und ich machten uns gar nicht erst auf den Weg. Nach einigen Minuten kamen unsere beiden Mädels von Ihren Zimmern zurück. Ihr dorthin verbrachtes Gepäck hatten sie gleich mitgenommen. Auch wir riskierten jetzt einen kurzen Blick in die Zimmer und holten unser Gepäck. Diese Zimmer hatten zwar eine Dusche auf dem Zimmer, aber auch diese waren in mitleiderregendem Zustand. Der Eindruck von Edgar Wallace verstärkte sich. Anscheinend wurden Teppiche und Gardinen auch ungefähr zur Zeit der Entstehung der Filme das letzte Mal gereinigt. Nachdem wir nun acht Zimmer des Gartenhauses besichtigt und für nicht akzeptabel erklärt hatten, bekam der Nachtportier ein Problem. Telefonisch erkundigte er sich welche anderen Zimmer er uns anbieten dürfte. Glücklicherweise hatten wir bei diesem Gespräch die Möglichkeit einige Interne mitzubekommen. Einerseits sagte ihm die Dame am Telefon, wenn wir uns schon über diese Zimmer beschwerten sollte er uns auf gar keinen Fall Zimmer 116 zeigen. Andererseits hatten wir die Möglichkeit einen Blick auf das Zimmerverzeichnis zu werfen. Das standen doch tatsächlich folgende Informationen für den Nachtportiert:
Zimmer 126 Zimmer ok alte Möbel
Zimmer 118 Zimmer ok Badewanne jedoch schrecklich.
So ging es in dieser Liste fröhlich weiter. Die Hotelleitung wusste also sehr wohl vom Zustand der Zimmer. Uns wurden vier weitere Schlüssel ausgehändigt. Das erste war Zimmer 104. Hier waren wir eigentlich schon wieder herausgetreten bevor wir das Licht anschalteten. Das Zimmer an sich war das beste was wir bisher zu sehen bekommen haben, jedoch verströmte es einen Geruch, als wären hier in den letzten vierzehn Tagen Hammel am Spieß gebraten worden, und zwar durchgehend. Die anderen drei Zimmer brauche ich nicht weiter zu erwähnen. Wir teilten dem Nachtportier mit, das keines der Zimmer auch nur ansatzweise akzeptabel sei und wir deshalb an anderer Stelle nächtigen würden.
Nach einem Abstecher ins Dorint Wiesbaden, welches jedoch vollständig belegt war, checkten wir im Crown-Plaza ein. Da die Hotelrechnung eigentlich direkt an Henkell gehen sollte, wir dort aber natürlich um 01:00 Uhr nachts niemanden mehr erreichten begnügten wir uns mit zwei Doppelzimmern, da ich jetzt erst einmal per Kreditkarte in Vorkasse treten musste Diese waren jedoch jeweils mit zwei Kingsize Betten ausgestattet und somit vollkommen ausreichend. Nach erholsamen Schlaf und wundervollem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Berlin.
Am Montag telefonierten wir in aller Frühe mit den Leuten von Henkell, dass die zweite Nacht im Fürstenhof keinesfalls bezahlt werden sollte, und erläuterten die Vorkommnisse. Im Laufe des Vormittags erhielten wir einen erbosten Anruf vom Hotel Fürstenhof. „Was wir uns einbilden, wieso sollte diese Nacht nicht bezahlt werden, schließlich hätten wir sie gebucht und erst gegen 23:00 Uhr dagegen protestiert“ ……. Alles weitere spare ich mir. Allerdings wurde die Rechnung sofort storniert, als ich zur Sprache brachte dass auf der einen Seite Henkell und seine Kunden und Geschäftspartner sicher sehr an den Informationen interessiert sind, und ich andererseits auch bereits die Telefonnummer des Gesundheitsamtes Wiesbaden herausgesucht hatte um dort Anzeige zu erstatten.
Innerhalb der nächsten vier Tage entstand ein rundherum gelungener 7´38´´ Film der uns mit Stolz erfüllt (so sehr dass sich alle Beteiligten eine Kopie des Filmes auf DVD gebrannt haben), und den Kunden bereits im ersten Anlauf komplett überzeugt hat. Das hatten wir bisher noch nie. Keine Änderung bei einem Imagefilm.
Außerdem wurden wir doch recht jungen Teammitglieder wegen unseres angenehmen und professionellen Auftretens explizit gelobt. Das hört man doch gerne.


Das 

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